|
|
DAS FAHRWASSERWESEN (FARVANDSVÆSENET)
Die nächste Halle ist dem Fahrwasserwesen gewidmet. Diese Behörde ist
eine große Institution, die dem Verteidigungsministerium unterstellt ist. Sie wurde 1973
umorganisiert, indem das Leuchtfeuer- und Seezeichenwesen, das Küstenrettungswesen und
das Lotsenwesen zu einer Institution zusammengefasst wurden. Die Aufgaben des
Fahrwasserwesens umfassen die Markierung der dänischen Wasserstraßen, die Lotsendienste,
die Küstenrettungsdienste und die Herstellung der Seekarten. Die Aufgaben sind nicht neu,
sie existieren schon seit vielen Jahrhunderten. Im Jahre 1560 bestimmte König Frederik
II., dass Leuchtfeuer auf Skagen, Anholt und Kullen (Schweden) errichtet werden sollten.
Diese Leuchtfeuer wurden 1561 gezündet. Das organisierte Lotsenwesen geht auf das 17.
Jahrhundert zurück, als König Christian V. sechs Lotsen für die Lotsenstation in
Dragør anstellte. Das organisierte Rettungswesen machte seinen kleinen Anfang in der
Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Seevermessung und das Herstellen von Seekarten finden seit
Mitte des 17. Jahrhunderts statt. Eine der ältesten bekannten Karten über dänische
Fahrwasser ist eine Karte über den südlichen Teil des Öresunds aus dem Jahre 1653,
angefertigt von Bagge Wandel, der 1647 von König Christian IV. als Leiter der
Navigations-schule auf dem Holmen angestellt worden war. Für die allgemeine Schifffahrt
wurden die Seekarten erst in neuerer Zeit zugänglich, weil sie ursprünglich als
militärisches Geheimnis betrachtet wurden. Das jüngst hinzugekommene Arbeitsgebiet des
Fahrwasserwesens ist die Funknavigation.
Beim Eintritt in die Halle trifft man zunächst auf eine Ausstellung des Rettungswesens
und dessen Entwicklung. Das Rettungswesen wurde derart organisiert, dass nach und nach an
den dänischen Küsten Rettungsstationen eingerichtet wurden. Sie wurden alle mit einem
Raketenapparat aus-gerüstet, der eine Leine zum gestrandeten Schiff schießen konnte,
worauf eine "Seilbahn" mit einem Rettungsstuhl hergestellt wurde, mit der die
Schiffbrüchigen an Land gezogen wurden. Die am Eingang aufgestellte Raketenstation stand
ursprünglich bei Hvide Sande. Ferner waren die größeren Rettungsstationen mit einem
Ruder-Rettungsboot ausgerüstet, die später durch MotorRettungsboote ersetzt wurden. Ein
derartiges Rettungsboot, MR 23, das auf der Rettungsstation beim Slettestrand in
Nordjütland zum Einsatz kam, ist im Außenbereich zu sehen. Heute ist ein Teil der
Rettungsstationen stillgelegt, während die größeren Stationen mit schnellen und
seetüchtigen Rettungsbooten ausgerüstet sind. Einige der neuesten Rettungsboote wurden
auf einer Werft in Aalborg hergestellt. Die Rettungsstationen werden durch Freiwillige
bemannt, deren Hauptberuf oft die Fischerei ist. In der Ausstellung sind Modelle von einem
älteren und von mehreren neueren Booten enthalten.
Ein großer Teil der Ausstellung stellt das Leuchtfeuer- und Seezeichenwesen dar. In der
Mitte der Halle ist ein Karte vom Kattegat. Es ist die Standardkarte No. 100, aber auf 3,6
x 4,2 m. vergrößert. Die Karte zeigt die Tonnen und Leuchtfeuer, die ein Fahrwasser
markieren, welches täglich vom größten Teil des Schiffs-verkehrs von und zur Ostsee und
den innerdänischen Häfen befahren wird. Das Fahrwasser kann für größere Schiffe
schwierig zu befahren sein, deshalb werden oft Lotsen an Bord genommen. Alle 72
Leuchtfeuer auf der Karte blinken in der kor-rekten Kennung.
Weiterhin sind die Aufgaben des Fahrwasser-wesens in einer Anzahl von instruktiven Tafeln
und Bildern dargestellt, dazu einige Gegenstände von den Leuchtfeuern früherer Zeiten.
Hinter der Seekarte sind die Innenteile von zwei großen Leuchtfeuern aufgestellt. Das
eine ist vom 1900 gebauten Lushage Leuchtturm, das andere vom Hestehoved Winkelfeuer aus
dem Jahre 1891. An der Westseite steht die handgeschliffene Linse vom alten Dueodde
Leuchtturm. Die sich hin-ter der Linse befindenden Fenster des Pavil-lons sind
abgedunkelt, damit sie nicht durch die einfallenden Sonnenstrahlen als Brennglas wirkt.
Ein Modell des Feuerschiffes Nr. XVIII ist ebenfalls ausgestellt; der Feuermast dieses
Schiffes steht draußen auf dem Grüngelände des Museums und die Schiffsglocke ist in
einem der Schaukästen ausgestellt. Vielerlei Berührungspunkte gibt es zwischen dem
Fahrwasserwesen und der Öffentlichkeit. Bei der Anlage von neuen Brücken über
dänischen Fahrwassern z.B. der Brücke über den Großen Belt und der
Öresundsbrü-cke wird das Fahrwasserwesen eingeschaltet, außerdem bei der
Zulassung von größeren Segelregatten, der Anlage von Wassersk-bahnen, beim Sporttauchen
und dem erwerbsmäßigen Tauchen nach Wracks. Die Zuständigkeit des Fahrwasserwesens
beschränkt sich nicht nur auf dänische Gewässer, sondern betrifft auch die Gewässer
bei Grönland und Färöer.
Am Ausgang der Halle ist auf der rechten Seite ein großer Schaukasten mit den
Mari-neuniformen des verstorbenen Erbprinzen Knud, Königin Margrethes Onkel. Die
Samm-lung umfasst alle Uniformen, die ein däni-scher Admiral nach dem Uniformenreglement
haben sollte. Hinzu kommen die besonderen Uniformteile, die der Erbprinz bei seinem
langjährigen Dienst als Chef der Küstenver-teidigung verwendete. Eine Schiffs-glocke,
früher am Gestell in der Sommerwohnung KLITGÅRDEN des Prinzen auf Skagen, ist mit den
Namen aller Forts, deren Chef er war, graviert. Die Glocke war ein Geschenk der
Küstenartillerie-Vereinigung zur Silberhochzeit (1958).
Am Ende der Halle ist ein Modell eines alten dänischen Kriegsschiffes. Das Modell wurde
in einem stark mitgenommenen Zustand auf dem Marinestützpunkt Kopenhagen gefunden und
zeigt eine dänische Fregatte aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Modell
wurde vermutlich im 18. Jahrhundert angefertigt. Es wurde vom 1996 verstorbenen
Modellbauer Knud Rønfeldt von Grund auf renoviert. Ein neuer Rumpf musste gebaut werden,
da der alte vollständig vom Wurm zerfressen war. Der Bereich um den Steven und der
geschnitzte Achterspiegel mitsamt der ganzen Takelage wurden von dem ursprünglichen
Modell übertragen. Fotos von den Renovierungsarbeiten sieht man neben dem Modell. |
|
|
|
|