|
|
DER AALBORGER HAFEN
| Thema der 2. Halle ist der Hafen von Aalborg und dessen Entwicklung. Am
Eingang der Halle ist eine Fotomontage der Passagier-schiffahrt zwischen Aalborg und
Kopenhagen angebracht. Diese Verbindung existierte viele Jahre. Von 1928 bis zur
Einstellung der Route im Jahre 1970 gab es eine tägliche Seeverbindung zur Hauptstadt des
Landes. 1970 musste Det Forenede Dampskibs Selsskab DFDS (Die vereinigte
Dampfschiff-Gesellschaft) die Route wegen der Konkur -renz des schnelleren Luftverkehrs
und der Autofähren von Mols nach Seeland aufgeben. Ein Modell der langjährigen
Flaggschiffs JENS BANG der Route ist in die Ausstellung aufgenommen. Hier ist auch das
betriebsfähige Radar aufgebaut. Die Besucher können auf dem Bildschirm die nahe Umgebung
des Limfjords beobachten. An den Wänden in der vorderen Hälfte der Halle hängen
Fotomontagen, die die Entwicklung des Hafens vom Spätmittelalter bis in unsere Tage
darstellen. Der Aalborger Hafen konnte 1976 sein 500jähriges Jubiläum feiern, da der
Hafen 1476 das Königliche Privileg erhielt. Aber bereits davor war Aalborg ein wichtiger
Handelsplatz, wie dies durch umfangreiche Funde aus der Wikingerzeit auf Lindholm Höhe
dokumentiert ist. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Aalborg zu einer
wichtigen Handelsstadt, von dessen Hafen sich ein lebhafter Exporthandel entwickelte.
Hering und Vieh wurden in viele westeuropäische Länder verschifft, und auch nach
Norwegen entwickelte sich ein lebhafter Verkehr durch den Kornexport. Der Ausbau des
Hafens von dem ursprünglichen Hafen in den beiden Flüssen Vesterå und Østerå (West-Au
und Ost-Au) erfolgte allmählich auf beiden Seiten des Fjords. Bis in die ersten Jahre
nach dem 2. Weltkrieg gab es einen besonders starken Verkehr auf den Strecken ostwärts
der 1933 gebauten Limfjordbrücke bis zur Werft und der Zementfabrik Rørdal. Später
wurde der Hafen nach Osten erweitert, sodass der Schwerpunkt heute im Østhavn (Osthafen)
und Grønlandhavn (Grönland-Hafen) liegt, während sich die ältere Hafenfront nach und
nach zu attraktiven Wohn- und Freizeitvierteln verwandelte, die zukünftig vom neuen
Musikhaus geprägt werden. Im ersten Teil der Halle ist ein Schiffsmaklerkontor, wie es
damals zwischen den Kriegen aussah, eingerichtet. Das Kontor ist mit älteren
Büromaschinen und Inventar, wie Schreibpult, Telex-Apparat und alten Telefonen
ausgerüstet. Das Kontor ist mit Gemälden und Bildern, die den Aalborger Hafen und in ihn
einlaufende Schiffe thematisieren, ausgeschmückt Auf dem Schreibpult liegt ein
Kassenjournal und ein Journal über einlaufende Schiffe. Im letzteren kann man den
Schiffsverkehr nach Aalborg über eine längere Reihe von Jahren verfolgen. Neben dem
Schiffsmaklerkontor steht ein Schaukasten mit einer Sammlung von kleinen, aus Karton und
Nähgarn hergestellten Schiffsmodellen. Die Modelle zeichnen sich durch eine hochgradige
Genauigkeit aus und stellen teils einen Ausschnitt der dänischen Handelsflotte, teils
mehrere Kriegsschiffe dar. In der Ausstellung wird gezeigt teils durch Fotomontage,
teils durch Ausstellung einiger damals verfügbarer primitiver Hilfsmittel wie die
Arbeit im Hafen vor Einführung moderner Lade- und Löschmethoden ausgeführt wurde. Die
Entwicklung des Hafens ist selbstverständlich durch die Hals Barre an der östlichen
Einfahrt des Limfjordes geprägt. Dieses Hindernis setzte dem Schiffsverkehr im Limfjord
Grenzen. Um den Verkehr mit größeren Schiffen zu ermöglichen und wegen der
Werftindustrie, war es notwendig, Vertiefungen der Fahrrinne über die Hals Barre
vorzunehmen. Die erste Vertiefung erfolgte bereits um das Jahr 1870; seitdem sind enorme
Sandmengen von der Barre entfernt worden. In einem Schaukasten ist die in einem Zeitraum
von 20 Jahren bewegte Sandmenge im Verhältnis zur bekannten Größe des AalborgTurmes
dargestellt. Früher wurde der ausgebaggerte Sand im nördlichen Kattegat abgesetzt,
worauf er in relativ kurzer Zeit wieder auf der Hals Barre ankam. Später wurde man
klüger. Jetzt wird der größte Teil in der Bauindustrie gebraucht. Die schwierige Fahrt
über die Barre in den Limfjord hinein muss natürlich durch Schifffahrtszeichen markiert
sein. An der Stirnwand des Pavillons befindet sich hierüber eine Darstellung, sowie
Modelle einiger das Fahrwasser markierender Leuchtfeuer. Im Zusammenhang mit der
Vertiefung der Hals Barre wurde eine Kanonenkugel aufgefischt. Sie stammt von einer der
beiden Batterien, die während des "Kanonenbootkrieges" gegen England in den
Jahren 1807-14 bei Hals und bei Egense angelegt wurden. Der Krieg begann mit der
Bombardierung Kopenhagens und der anschließenden Auslieferung der dänischen Flotte an
England. Der Seekrieg konnte danach nur mit Ruderkanonenbooten, einigen kleineren Briggen
und nicht zuletzt mit privat ausgerüsteten Kaperschiffen, fortgesetzt werden, die mit
einer Lizenz des Königs versuchten, Schiffe aus den durchs Kattegat in die Ostsee
fahrenden englischen Konvois zu erobern. Dieser Kaperkrieg wurde in großem Stil von
Aalborger Kaufleuten und Reedern geführt. Die Engländer beschützten natürlich ihre
Konvois durch Kriegsschiffe, welche den Kanonenbooten und Kaperfahrzeugen überlegen
waren. Um diese vor den englischen Kriegsschiffen zu schützen, wurden an vielen Stellen
an der Küste Kanonenbatterien errichtet. Die Batterien von Hals und Egense sind Beispiele
hierfür. |
|
|
|
|