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DAS U-BOOT SPRINGEREN
Die größte Attraktion des Museums ist wohl das U-Boot SPRINGEREN. Es
wurde am 22. Oktober 1964 unter der NATO-Nummer S.329 von der dänischen Marine in Dienst
gestellt, am 30. Juni 1989 endete das letzte Kommando, und es wurde schließlich am 31.
März 1990 aus der Flottenliste gestrichen. SPRINGEREN ist das letzte U-Boot, das auf der
heute eingestellten Orlogsværft (Marinewerft) in Kopenhagen entworfen und gebaut wurde.
Das Boot gehörte zur DELPHINEN-Klasse, von der ursprünglich drei Einheiten im Zeitraum
1956-1961 gebaut wurden. Im Jahre 1959 wurde ein dänisch-amerikanisches Übereinkommen
über ein gemeinsames Schiffbauprogramm geschlossen. Dieses Übereinkommen sah vor, dass
während einer Periode von fünf Jahren insgesamt 23 Schiffe als Ersatz für
ausgeschiedene Einheiten gebaut werden sollten. Dieses Programm ermöglichte noch den Bau
einer Einheit der DELPHINEN-Klasse: SPRINGEREN. Der Kiel wurde am 3. Januar 1961 gelegt,
der Stapellauf war am 26. April 1963 und die Indienststellung erfolgte am 22. Oktober
1964.
Die Einheiten der DELPHINEN-Klasse sind Küsten-U-Boote, die zum Einsatz in dänischen
Gewässern und in der Ostsee vorgesehen sind. Die Boote haben aber auch an NATO-Übungen
im Atlantik teilgenommen. Die Verdrängung der Boote beträgt 575 t an der Oberfläche und
646 t im getauchten Zustand. Die Länge beträgt 53,9 m, die Breite 4,7 m und der Tiefgang
4,2 m. Die Sehrohrtiefe beträgt 11 m. Die maximale Tauchtiefe im Frieden lag bei 100 m,
im Kriegsfall wurde sie auf 200 m erweitert. Die Tauchtiefe in Friedenszeiten wurde
beschränkt, weil die größeren Tiefen das Boot überbeanspruchen würden. An der
Oberfläche wurde das Boot von 2 B&W Dieselmotoren angetrieben, im getauchten Zustand
fuhr das Boot mit batteriebetriebenen Elektromotoren von Brown Boveri. Die Geschwindigkeit
lag aufgetaucht und getaucht bei 16 bis 17 Knoten. Der Antrieb erfolgte
durch zwei Schrauben. Ein eingebauter Schnorchel Arbeitsweise wie ein Sehrohr
erlaubte eine Fahrt mit dem Dieselmotor, wenn das Boot nicht tiefer als
Sehrohrtiefe tauchte.
Die DELPHINEN-Klasse sind die ersten dänischen U-Boote, die nicht mit Kanonen
ausgerüstet sind, eigentlich die ersten dänischen Boote, die als U-Boote gebaut wurden,
d.h. Boote, die vornehmlich für den Einsatz im getauchten Zustand konstruiert sind. Die
im 2. Weltkrieg verwendeten U-Boote waren für den Einsatz an der Oberfläche berechnet
und sollten nur tauchen, um einem Gegenangriff zu entgehen.
SPRINGEREN hat vier 53 cm Bugrohre und ist mit vier Torpedos in den Rohren und vier
Reservetorpedos ausgerüstet. Während der Weltkriege musste der Kommandant eines U-Bootes
bei Abschuss eines Torpedos mit dem ganzen Boot zielen. Dies war ein schwieriger Vorgang,
denn es mussten die Geschwindigkeiten des Zieles und des eigenen Bootes berücksichtigt
werden. SPRINGEREN ist das erste dänische U-Boot, das mit einer TCI-Anlage einem
System mit einer Drahtsteuerung des Torpedos - ausgerüstet war. Mit Hilfe dieses Systems
können Torpedos dirigiert und der Kurs unterwegs geändert werden. An Stelle einer
Torpedosalve konnte das Ziel so mit nur einem einzigen Torpedo anvisiert werden.
Die Besatzung betrug 8 Offiziere und 25 Unteroffiziere plus Mannschaft, insgesamt 33 Mann.
Um den Besuchern einen Eindruck vom Leben an Bord eines U-Bootes im Einsatz zu geben, sind
alle technischen Installationen in SPRINGEREN beibehalten mit Ausnahme der 224
Batterien, die insgesamt 100 t wogen. Die Illusion, sich an Bord eines im Einsatz
befindlichen U-Bootes zu befinden, wird durch Geräusche verstärkt, die ein Magnetband
wiedergibt. Alle Viertelstunde wird Tauchalarm gegeben; das Licht wird gelöscht und die
rote Nachtbeleuchtung schaltet sich ein.
Man betritt das U-Boot durch den vorderen Torpedoraum, der gleichzeitig Schlaf- und
Aufenthaltsraum für die Besatzung ist. Um den Besuchern ausreichend Platz zu geben,
mussten die meisten Kojen, Tische und Bänke entfernt werden. Man muss sich in diesem Raum
insgesamt 13 Kojen sowie Tische und Bänke für 26 Mann vorstellen (2 Mann teilten sich
jeweils eine Koje, da die Hälfte der Besatzung jeweils Wache hatte). In diesem Raum
befindet sich ebenfalls die Sauerstoffnotversorgung. Der Sauerstoff wurde eingesetzt,
falls es bei einem Untergang dazu kommen sollte, dass das Boot zur Gewährleistung des
Notausstiegs mit Wasser gefüllt werden sollte.
Durch eine wasserdichte Schottentür betritt man einen Gang, in dem die Offiziersmesse mit
Platz für acht Offiziere an der Backbordseite liegt. An Steuerbordseite sind die Kombüse
und die Toiletten angeordnet. Weiter im Gang sind der Sonar- und der Radarraum mit
Funkstation. Unmittelbar vor der Leitzentrale sieht man Regale für die Koffer der
Besatzung. U-Bootmänner leben im buchstäblichsten Sinne wie "in einem Koffer".
Am Eingang zur Leitzentrale ist die Torpedofeuerleitanlage TCI. In der Zentrale sind zwei
Sehrohre, eines für die Navigation, eines für den Kampfeinsatz. Dann ist da noch Platz
für eine Plottertafel und zwei Rudergänger: der Tiefenrudergänger sitzt achtern auf der
Backbordseite, der Seitenrudergänger vorne auch auf der Backbordseite. Durch eine weitere
wasserdichte Schottentür kommt man in den Maschinenraum. Dahinter verlässt man das Boot
auf der Steuerbordseite.
Der Besucher hat nun einen unmittelbaren Eindruck vom Alltag an Bord eines einsatzbereiten
U-Bootes erhalten, besonders von den harten und beengten Verhältnissen, unter denen die
Besatzung oft wochenlang leben musste. Eine starke Psyche und eine gute
Anpassungsfähigkeit waren und sind für den Dienst an Bord eines U-Bootes unabdingbar.
Nicht ohne Grund wurde SPRINGEREN die große Attraktion des Museums. Das Aalborger
Seefahrts- und Marinemuseum hat mit diesem Boot ein gutes Beispiel vom Know-how des
dänischen Schiffbaus bewahrt. Doch leider gehört dieses Know-how bald der Vergangenheit
an, denn auf politischer Ebene wurde 2005 beschlossen, das U-Bootswaffen einzustellen,
obwohl unsere Küsten-U-Boote von der NATO erfolgreich zur Terrorbekämpfung eingesetzt
wurden. |
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